Bei Fotos schaut ohnehin niemand so genau hin
Vor einigen Tagen ruft mich eine Kundin an, die Fotos für ihren Flyer benötigt. Nachdem wir am Telefon ihre Vorstellungen besprochen haben, fragt sie nach dem Preis für das Shooting.
Als sie meinen Preis hört, entfährt ihr ein spontanes “Oh, da suche ich mir aber lieber einen günstigeren Fotografen!”
Das ist an sich kein ungewöhnlicher Vorgang. Ich habe Kunden, denen meine Preise überraschend niedrig vorkommen und auch Kunden, denen meine Preise zu teuer sind. Ich bin der Meinung, man sollte als Dienstleister einen gut begründeten und nachvollziehbaren Preis haben, aber nicht jedem Preiswunsch eines möglichen Kunden entsprechen wollen.
Erstaunt hat mich dann aber doch die Begründung der Kundin, warum sie sich einen günstigeren Fotografen suchen möchte: “Bei Fotos in einem Flyer schaut ohnehin niemand so genau hin …”
Ja, dann bin ich wirklich nicht der richtige Fotograf für ihre Zwecke

Leider ist Deine Story wohl ein Spiegelbild der heutigen Zeit. Geiz scheint wirklich geil zu sein. Es ist fast niemand mehr bereit, einen angemessenen Preis für eine ordentliche Dienstleistung zu bezahlen. Ich finde es traurig, dass sich so unsere Gesellschaft entwickelt hat. Es macht einem engagierten Dienstleister immer schwerer seine Preise durchzusetzen. Es ist egal ob Du Fotograf bis, Webdesigner, etc. Die Preise werden auch oft durch “Billigheimer” versaut. Jeder der eine Kamera halten kann oder einen PC bedienen kann meint, wer wäre Fotograf oder Webdesigner. Ich hoffe nur, dass sich diese Situation bald zu unserem Vorteil entwickelt und der Trend nicht mehr so weiter geht.
In diesem Sinne
Grüße Oliver
@ Oliver: Auf der einen Seite hast Du Recht. Auf der anderen Seite gibt es aber auch genügend Kunden, die eine gute Arbeit zu schätzen wissen, egal ob als Fotograf, als Webdesigner oder in welchem Beruf auch immer, und auch angemessen bezahlen.
Gruß Michael
Ich hatte so ein ähnliches Gespräch vor ein paar Tagen, allerdings erst quasi im Nachhinein. Da kam einer Kundin mein Preis zuerst auch etwas hoch vor. Es ging darum, ein kleines Unternehmen zu Fotogafieren und kurz vor mir war jemand vom “Örtlichen” da und hat ein paar kurze Videoclips gedreht. Das hat wohl knapp eine halbe Stunde gedauert, dann war der gute Mann wieder weg.
Ich habe mir halt mehr Zeit genommen für die Fotos und die Kundin hatte sich schon gefragt, warum das Video so schnell abgedreht war, die Fotos aber länger dauert. Mein Argument war, dass bedingt durch das Medium ein Betrachter bei Fotos viel eher Unschönheiten entdeckt als bei einem Video, wo das Auge durch die Bewegung zu sehr abgelenkt ist. Das hat sie auch akzeptiert, zumal sie während meiner Arbeit auch gesehen hat, dass ich nicht einfach durch gehe und einfach mal schnell auf den Auslöser haue. Auf Details zu achten war sehr wichtig. Bei einem Obstkorb mit Äpfeln habe ich z.B. sehr darauf geachtet, dass diese kleinen Aufkleber die ja immer auf den Früchten befestigt sind, nicht im Bild sind.
Und ich denke das ist der Punkt, der uns Berufsfotografen von den Knipsern unterscheidet. Wenn der Interessent natürlich nicht so auf die Qualität achtet, dann können wir da natürlich nicht mehr mithalten. Aber ich bin sicher Michael, die Anruferin wird sich spätestens dann ärgern, wenn sie den Flyer in den Händen hält.
Viele Grüße
Christian
Erst letzte Woche habe ich jedoch auch die günstigere Dienstleistung eines Handwerkes in Anspruch genommen.
Ich fragte zwei Elektriker mit Firmensitz nur wenige Straßen weiter nach dem Preis für das Anschließen meines Herdes – eine Standardaufgabe. Der erste wollte 75 Euro für Anfahrt und dann 1 Euro je Minute Arbeit. Der zweite wollte 30 Euro pauschal. Welchen habe ich wohl genommen?
Ich kann den Ärger oder Frust der bei vielen Berufsphotographen durch die neue “Konkurrenz” entsteht, durchaus verstehen. Allerdings denke ich ähnlich wie Michael. Wenn es auf gute Arbeit ankommt, werden weiterhin Berufsfotografen gebucht. Es gibt so einige Bereiche in denen ein Hobbyknipser nur sehr schwierig Fuss fassen wird – Fashion mal als Beispiel.
Grüße,
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“Es ist egal ob Du Fotograf bis, Webdesigner, etc. Die Preise werden auch oft durch “Billigheimer” versaut. Jeder der eine Kamera halten kann oder einen PC bedienen kann meint, wer wäre Fotograf oder Webdesigner. Ich hoffe nur, dass sich diese Situation bald zu unserem Vorteil entwickelt und der Trend nicht mehr so weiter geht.”
Ich verstehe nie warum sich Leute darüber aufregen?!?!? Wenn Der Frau ein gescheites Foto auf dem Flyer zu schade ist, wird Sie es schon bald merken, dass es Ihr nur Geld aus der Tasche zieht! Wenn ein Fotograf wirklich etwas außergewöhnliches und qualitativ hochwertiges produziert, kann er auch heute noch angemessene Preise verlangen!
Die Tatsache ist aber, dass die meisten sich nicht weiterentwickeln und die Heinis Billigheimer, die grad mal ne Kamera halten können fast gleichwertige Arbeit anbieten!!! – nur fürn Appel und ein Ei.
Die Fehler bei der Kundschaft zu suchen ist IMMER das letzte was man tun sollte!
Es ist traurig, wie wenig die Leistungen und Erfahrungen von echten Fotografen honoriert werden. Jeder kann eine Knipse in die Hand nehmen und abdrücken. Das bedeutet aber noch lange nicht, dass auch automatisch gute Fotos dabei rauskommen. Talent, erfahrung und das auge des Fotografen kann keine noch so gute Kamera ersetzen.
Leider aber schauen zu viele Kunden inzwischen zu sehr auf ihr Budget, anstatt auf gute Leistungen wert zu legen.
kommt bekannt vor!
)
Anstatt zu nörgeln sollte sich jeder Fragen was er (besser) machen kann um wieder bei den Kunden anzukommen. Ich möchte hier keine Werbung machen aber ich kenn zwei Fotografen, die trotz hoher Preise sich vor Aufträgen nicht mehr retten können!
Tja, die Geiz-ist-geil-Mentalität macht nirgendwo halt. Und das obwohl man meist besser fährt, wenn man nicht unbedingt das billigste nimmt. Wieder ein typische Beispiel für “Kurzsichtigkeit”.
Na immerhin ist sie ehrlich. Und der Markt ist nun mal nach dem Verbaucher ausgerichtet. Ich sehe das ähnlich wie bei Zahnersatz – es muss jeder selber entscheiden, welchen Preis er bereit ist zu zahlen.
Gott sei Dank, geht es anderen ebenso. Nicht dass ich schadenfroh wäre, aber bisher dachte ich, mir geht es alleine so. Dass mancher Kollege oder auch “irgendwie anders Kollege” meint seine Arbeit sei nichts wert und Preise macht, die auf einen Stundensatz von unter einem Euro rauslaufen mag ja noch irgendwo angehen, aber von Kunden mit Argumenten wie ” da kommts ja nicht so drauf an… Sie haben ja PhotoShop damit kann man das dann schon so hinkriegen…” belatschert zu werden empfinde ich als ein wenig happig. Für ein sauberes Foto brauche ich eben meine Zeit. Aber da muss man hinterher mit PhotoShop nichts mehr drehen! Und das ist letztendlich wohl entschieden wirtschaftlicher! Und qualitativ besser!
Hallo in die Runde!
Es wurde schon gesagt, dass heute jeder eine Fotoapparat halten und abdrücken kann. Dank moderner Technik entstehen dabei erstaunlich viele scharfe und – wenn der Fotografierende (m/w) ein gutes Auge hat und ambitioniert ist, auch durchaus ansehnliche Ergebnisse. Die Auswahl schöner Bilder auf http://www.fotocommunity.de beweist das. Wieviel Ausschuss produziert wurde, sieht man dort nicht.
Der Unterschied zum Profi ist, dass dieser VORHER weiß, was zu tun ist, um das gewünschte Bild zu bekommen, dieses AKTIV gestaltet und möglichst wenig dem Zufall überlässt, dabei keinen AUFWAND scheut, um das Nötige zu tun und diese Qualität REPRODUZIERBAR immer wieder liefern kann.
Deswegen wird der intelligente Kunde immer den Profi zu einem vernünftigen Preis buchen, da zum einen Zeit Geld ist und sich manche Ereignisse/Shootings einfach nicht wiederholen lassen. Da geht man kein Risiko ein.
Liebe Grüße – Dirk
Ich kann dieses Geiz-ist-geil-Argument bei diesen Debatten nicht mehr hören. Ich kann’s nicht mehr hören! Weil es der letzte Schwachsinn ist. Sein Geld zusammenzuhalten ist das Normalste der Welt, schließlich ist es die _Lebensgrundlage_ der Menschen. Das Gegenteil wäre Verschwendung und dumm weil _lebensbedrohlich_.
Zudem geht es den meisten Menschen hierzulande immer dreckiger. Deutschland ist das einzige Land in der EU mit _sinkenden_ Löhnen in den letzten zehn Jahren. D ist _Billiglohnland_, so dass Call-Center von Polen inzwischen nach Berlin verlagert werden, weil die Leute hier für noch weniger Gehalt geködert werden können. Wer nicht viel verdient, kann auch nicht viel ausgeben. Es ist alles ein Kreislauf.
Und es stimmt, wer wirklich Qualität will, der setzt weiterhin auf Qualitätsware oder gute Dienstleister.
Ach ja, die Simpsons und Futurama wurden auch von einem Laien übersetzt und daran stört sich keiner. Für mich als Sprachwissenschaftler sind die Sendungen im Deutschen kaum zu ertragen und ich frage mich, warum man damit keinen Profi beauftragt hat. Aber der Combrinck war halt billiger. (Seit seinem Tod macht’s jemand anders.) Und das war lange vor Saturns Geiz-ist-geil-Spruch. Soll heißen, auch große Unternehmen sparen, wo es nur geht. Wenn’s der kleine Mann macht, ist es verwerflich? Quatsch.
@ Jay: Ja natürlich, jeder will sparen und das ist auch gar nicht verwerflich.
Ich rege mich auch gar nicht auf, wenn Kunden zu einem anderen (billigeren) Fotografen gehen.
Teilweise kommen sie anschließend wieder, weil ihnen die Qualität des günstigen Fotografen nicht ausreicht. Teilweise sind sie aber auch mit der niedrigeren Qualität des anderen zufrieden.
Beides ist in Ordnung für mich
Gruß Michael
hi, ich arbeite im pressebereich. die preise sind da auch nicht mehr so hoch wie früher, dafür finde ich aber, dass sie einen realistischen wert darstellen.
es ist zwar vielleicht etwas unangenehm, aber doch natürlich, dass die preise fallen. mit moderner technik und gutem workflow wird der aufwand schließlich auch immer geringer, um gute fotos zu erstellen
trotzdem stimme ich dir zu: es ist zum kotzen, wenn kunden nur “billig” wollen
Na immerhin ist sie ehrlich. Und der Markt ist nun mal nach dem Verbaucher ausgerichtet. Ich sehe das ähnlich wie bei Zahnersatz – es muss jeder selber entscheiden, welchen Preis er bereit ist zu zahlen.